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Bienen bestäuben 75% unserer wichtigsten Kulturpflanzen und sind so nicht nur für das Ökosystem, sondern auch für uns Menschen
 von grosser Bedeutung. Leider wehren verschiedene Pflanzenschutzmittel nicht nur schädliche Insekten ab, sondern haben auch verheerende Auswirkungen auf die Bienen.

Brüssel/Bern, 29. April 2013

Die Mehrheit der EU-Länder haben sich dafür ausgesprochen, drei Bienenkiller-Pestizide von Bayer und Syngenta auf Raps-, Mais-, Sonnenblumen- und Baumwollkulturen vorübergehend für zwei Jahre verbieten zu wollen. Analog dazu plant das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft, die drei Pestizide auf Mais- und Rapskulturen vorläufig zu suspendieren. Ein wichtiger erster Schritt zum Schutz der Biene. Für die Tiere jedoch ist das eine Verschnaufpause, mehr nicht.

Bern, 28. Februar 2013

Zusammen mit Imkern hat Greenpeace Schweiz heute den Behörden in Bern eine Petition zum Schutz der Bienen überreicht. Darin fordern 80’103 Menschen einen sofortigen Einsatzstopp von bienenschädlichen Pestiziden in der Landwirtschaft. Die Unterschriften kamen in nur einem Jahr zustande.

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Unsere Bienen

Für die Lebensmittelproduktion sind vor allem Honig- und auch Wildbienen von grosser Bedeutung. Auch andere Insekten wie Schmetterlinge oder Fliegen machen wertvollste Bestäubungsarbeit. Ohne diese wären die Menschen und zahlreiche Tierarten um einen Teil ihrer Nahrungs- und Lebensgrundlage beraubt. Die globale Nahrungsmittelproduktion hängt zu 35% von bestäubenden Insekten ab. Von 100 Kulturpflanzen, die 90% der globalen Nahrungsmittelproduktion ecken, werden 71 von Bienen bestäubt. 4000 in Europa angebaute Gemüsesorten gibt es nur dank fleissiger Bienen.

Seit mehreren Jahren sterben weltweit auffällig immer mehr Bienenvölker. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unsere Landschaft wird immer monotoner. Dadurch verlieren Bienen ihre Lebens- und Futtergrundlage. Immer weniger blühende Blumen, Gräser, Sträucher und Bäume bedeuten weniger vielfältige Nahrung.

Parasiten und Krankheiten machen Bienen zusätzlich das Leben schwer. Auf Äckern und in Gärten werden zudem giftige Chemikalien zur Schädlingsabwehr oder Unkrautbekämpfung eingesetzt. Viele davon sind für Bienen giftig.

Wichtige Fakten

Wie stark ist die Schweiz vom Bienensterben betroffen?

Die Vereinten Nationen haben das Bienensterben zu einem globalen Problem erklärt. Es betrifft vor allem die nördliche Hemisphäre, also Europa, Nordamerika und Asien. Seit 1998 werden in Europa zusätzliche Verlustraten von Bienenvölkern von bis zu 30% festgestellt. Im Winter 2011/12 verzeichnete auch die Schweiz einen Bienenvölkerverlust von 50%. Die grössten Verlustraten treten im Frühjahr auf – viele Völker überleben jeweils den Winter nicht. Sämtliche Kantone waren von diesen Verlusten mehr oder weniger stark betroffen. 50% entspricht rund 100‘000 Bienenvölkern. Es sind dies die schlimmsten Verluste, seitdem diese Zahlen systematisch erfasst werden. Wertmässig entsteht dabei den Schweizer Imker/-innen ein Verlust von rund 25 Millionen Franken, welchen sie selber zu tragen haben.

Betrifft das Bienensterben nur die Honigbiene?

Nutzpflanzen (Obst, Gemüse, Hülsenfürchte) und Wildpflanzen sind für ihr Überleben auf die Bestäubung angewiesen. Diese ökologische Funktion nehmen vor allem Honig- und Wildbienen, Hummeln, Fliegen, Schmetterlinge aber auch Vögel oder Fledermäuse wahr. Alle diese sogenannten Bestäuber sind heute unter Druck. Das Bienensterben betrifft also nicht nur die Honigbiene.

Zur Sterblichkeit bei Honigbienen liegen aufgrund ihrer Nutzung und Bedeutung für den Menschen mehr Informationen vor. Viel weniger ist über die anderen Bestäuber bekannt.

Klar ist, dass die für Bestäuber überlebenswichtigen Futterpflanzen und Lebensräume markant zurück gegangen sind. Die IUCN erwartet, dass in den nächsten Jahrzehnten weltweit weitere 20'000 Blütenpflanzen verschwinden werden. Damit fehlt die Lebensgrundlage für spezialisierte Bestäuber.

Wie relevant sind die (Wild)bienen und andere Insekten für die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen?

Die Landwirtschaft hängt trotz technischem Fortschritt von Bestäubern ab. Grundnahrungsmittel wie Reis, Weizen, Mais oder Soja bestäuben sich selbst oder sind windbestäubt. Nahrungsmittel, die wichtig für die Gesundheit sind, also Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte, werden von Tieren bestäubt. Bei einigen Pflanzen ergibt die Bestäubung durch Tiere eine Steigerung des Ertrages und eine bessere Qualität des Produktes. Wichtig sind Bestäuber auch bei der Saatgutproduktion.

Auf Bestäuber angewiesene Pflanzen produzieren 35% der weltweit produzierten Lebensmittel und bei 5% ist unklar, wie sie bestäubt werden. In Europa werden 4000 Gemüsesorten von Bienen bestäubt. Honigbienen sind vor allem im grossflächigen Anbau von Kulturpflanzen essentiell wichtig.

Bienen werden vom Menschen gezielt für die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen eingesetzt. In Nordamerika bezahlen Landwirte Imker dafür, dass sie ihre Völker in ihre Obst- und Gemüseanlagen stellen. Die „Mietkosten“ für ein Bienenvolk sind wegen dem Bienensterben enorm gestiegen. In der Schweiz ist die Imkerei kein professioneller Bereich, für die Bestäubung wie auch für Völkerverluste werden die Imker nicht entschädigt.

Honigbienen sind wichtig für die Bestäubung. Aber sie erledigen diese Aufgabe nicht alleine. Es ist enorm wichtig, die Honigbiene als auch andere Bestäuber zu schützen und zu fördern.

Was sind die Gründe für das Sterben der Honigbienen?

Neue Krankheiten wie die Varroa-Milbe, Lebensraumverluste, Umweltgifte und generell eine höhere Krankheitsanfälligkeit sind die Hauptursachen für das Bienensterben.

Lebensräume

Eine immer eintönigere Landschaft ist nicht nur unästhetisch. Den Bienen wurde in den letzten Jahrzehnten regelrecht die Nahrungsgrundlage entzogen. Hecken, Bäume, Saumstreifen, Gewässer oder abgestufte natürliche Waldränder sind monotonem, artenarmem Grünland und Äckern mit wenigen Nutzpflanzen gewichen.

Während Honigbienen überleben, weil sie vom Menschen zugefüttert, gepflegt und vor dem Befall mit Schädlingen geschützt werden, sind Wildbienen auf intakte Lebensräume zwingend angewiesen. Sie finden dort nicht nur Futter, sondern auch Nistplätze. Die IUCN erwartet in den kommenden Jahrzehnten weltweit einen weiteren Rückgang von Blütenpflanzen von 20'000.

Forscher vermuten, dass die erhöhte Anfälligkeit der Honigbiene auf Schädlinge und Krankheiten auch damit zu tun haben könnte, dass Parasiten von zerstörten Lebensräume profitieren können. Sie haben in einem monotonen Umfeld weniger natürliche Feinde.

Auch Luft- und Wasserverschmutzung kann Bienen beinträchtigen.

Ob elektrische und magnetische Felder das Verhalten der Bienen beeinflussen, ist nicht abschliessend geklärt.

Pestizide

In der Landwirtschaft und in anderen kultivierten Flächen wie Gärten oder Parks eingesetzte Pestizide schädigen Bienen. Selbst Herstellerfirmen streiten nicht ab, dass der direkte Kontakt für Bienen akut toxisch sein kann. Schädliche Wirkung können aber auch konstante sehr niedrige Dosierungen haben. Das heisst, Bienen tragen Schäden davon, wenn sie regelmässig mit geringsten Mengen von Pflanzenschutzmitteln in Berührung kommen, etwa durch Rückstände im Nektar, Pollen oder im Wasser, das Kultur- und andere Pflanzen ausscheiden.

Besonders bienenschädlich sind sogenannte systemische Pestizide, die nicht nur oberflächlich auf Pflanzen aufgetragen werden, sondern sich in der ganzen Pflanze verteilen. Dazu gehören Insektizide der Gruppe der Neonicotinoiden, die seit den 1990er Jahren prophylaktisch als Saatgut- oder Bodenbehandlung vor der Aussaat angewendet werden oder direkt auf Kulturpflanzen gespritzt werden. Neonicotinoide sind um ein Hunderfaches giftiger als andere Insektizide. Ein mit 0.5mg Clothianidin gebeiztes Maiskorn könnte 80'000 Honigbienen töten.

Besonders in der Kritik stehen die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxan sowie Fipronil der Agrokonzerne Bayer und Syngenta.

Bienen können mit Neonicotinoiden auf unterschiedliche Weise in Kontakt kommen:

  • Hohe Exposition bei der Aussaat von behandeltem Saatgut
  • Dauernde niedrige Exposition
  • Rückstände in Pollen oder Nektar (auch von nicht behandelten Pflanzen, die via Boden/Luft diese Rückstände aufnehmen)
  • Rückstände im Guttationswasser („Pflanzentau“), das Bienen trinken
  • Rückstände im Bienenbrot, das von den Bienenlarven gegessen wird

Von den rund 2000 Tonnen in der Schweiz eingesetzten Pflanzenschutzmitteln gehören rund 3 Tonnen der Wirkstoffklasse der Neonicotinoiden (systemische Pestizide) an. Laut Bundesrat wird mit Neonicotinoiden gebeiztes Mais-Saatgut auf 5-10% der gesamten Maisfläche der Schweiz angewendet, beim Raps sind es 100%, bei den Zuckerrüben 95% und bei Getreide rund 10%.

Neue Studien zeigen, dass regelmässig mit diesen Giften in Kontakt kommende Bienen Navigations- und Kommunikationsprobleme aufweisen, die Nahrungssuche beeinträchtigt wird und das Wachstums- und Fortpflanzungsverhalten gestört wird. Der Kontakt mit Imidacloprid oder Thiamethoxam kann dazu führen, dass Bienen nicht mehr zurück zum Bienenstock finden und irgendwo verenden.

Zudem kann der Einsatz von Neonicotinoiden zusammen mit anderen Pestiziden die Toxizität eines neonicotinoidhaltigen Mittels um ein Tausendfaches erhöhen.

Schädlinge und Krankheiten

Die Varroamilbe, ursprünglich aus Asien stammend, ist mittlerweile auch in Europa und Nordamerika der am meisten verbreitete Feind der Honigbienenvölker. Die Varroa-Milbe überträgt das Flügeldeformationsvirus (deformed wing virus, DWV). Es führt dazu, dass Puppen verstümmelte Flügel haben und junge Bienen früh sterben. Mitunter geht schon die Brut ein. Erwachsene Bienen können als Reservoir für das Virus dienen, im schlimmsten Fall bricht das Volk binnen Tagen zusammen.

Andere Milben, virale oder bakterielle Erkrankungen fördern die Anfälligkeit von Bienenvölkern ebenfalls.

Es wird vermutet, dass die Kombination der Faktoren (artenarme Umwelt mit geringem oder einseitigem Futterangebot und konstant vorhandene niedrige/höhere Dosen von chemischen Pestiziden) sich negativ auf die Widerstandsfähigkeit von Bienen auswirken.

Nicht zuletzt kann sich aber auch die Schädlingsbekämpfung mit Antibiotika und chemischen Insektiziden auf die Gesundheit eines Bienenvolkes negativ auswirken.

Wie kann das Bienensterben gestoppt werden?

Bienen würden Bio kaufen. Der Verzicht auf Pestizide und die Vielfalt an Lebensräumen und Pflanzen, die im Biolandbau gelten, fördern die Bienen.

Bienenschädliche Insektizide wie Neonicotinoide müssen verboten werden. Untersuchungen in Italien haben gezeigt, dass ungebeiztes Saatgut nicht zwangsläufig zu geringeren Ernteerträgen führt, aber die Bienen davon profitieren können: Winterverluste in Bienenvölker sind merklich zurück gegangen. Forschungsgelder und Direktzahlungsgelder müssen zukünftig in Anbausysteme fliessen, die ohne chemische Pflanzenschutzmittel auskommen und die die Artenvielfalt in der Landwirtschaft nicht als Konkurrenz, sondern als integrativer Bestandteil einer ökologischen, in sich geschlossenen Anbauweise sehen (bspw. Biolandbau).

Es braucht ein besseres Wissen über die Leistung der Bestäuber für die Lebensmittelproduktion. Nur so erhalten sie die Wertschätzung und den notwendigen Schutz

Einfache Massnahmen helfen oft schon, um einen Lebensraum für Bienen zu verbessern: Wildbienenhotels, Aussaat von Bienenweiden mit lokalen Mischungen – als auch Reduktion der Pestizide.

Die Zucht der Honigbiene war bis jetzt primär auf hohen Honigertrag und Sanftmut ausgerichtet. Hier braucht es ein Umdenken. Züchtungsziel sollte eine gesunde Biene mit einem guten Ertrag sein.

Warum prangert Greenpeace Pestizide an, wo doch das Bienensterben vor allem auf die Varroa-Milbe zurück zu führen ist?

Die Gründe für das Bienensterben sind sehr vielfältig. Entsprechend braucht es auch eine Bandbreite von Lösungsansätzen. Eine natürliche Bekämpfung von Parasiten oder die Verbesserung und der Schutz von natürlichen Lebensräumen ist unabdingbar, aber auch sehr zeitintensiv. Bis hier Fortschritte erzielt werden können, braucht es aber auch kurzfristiger umsetzbare Massnahmen. Die alarmierende Situation erfordert Massnahmen auf allen Ebenen: ein reduzierter Pestizideneinsatz kann sofort umgesetzt werden. Bereits gibt es in Italien, Frankreich oder Slowenien partielle Einschränkungen von Neonicotionoiden - zum Schutz der Bienen und vielen anderen Lebewesen. Der Verzicht von systemischen und anderen umwelt- und gesundheitsgefährdenden Pestiziden muss und kann sofort angestrebt werden. Die Lösung sind ökologische Anbausysteme. Die haben sich in der Praxis bestens bewährt (Bio-Landbau, IP-Richtlinien).

Was wird in der Schweiz und europaweit gegen das Bienensterben getan?

Die parasitische Milbe Varroa destructor ist hauptverantwortlich und sichtbarster Grund für das nahezu weltweite Bienensterben. Die Milbenbekämpfung ist deshalb von erheblicher Relevanz und steht auch in der Schweiz im Zentrum der Forschung. Es braucht aber auch zwingend vermehrte Erforschung möglicher weniger sichtbarer Zusammenhänge zwischen Umweltgiften, Lebensraumverlusten und erhöhter Krankheitsanfälligkeit von Bienenvölkern. Während in Ländern wie Frankreich, Italien oder Slowenien zumindest Teil-Einschränkungen von Neonicotinoiden erlassen worden sind, sieht die Schweiz hier keinen Handlungsbedarf. Das muss sich ändern! Auch braucht es dringend mehr Gelder und entsprechende Richtlinien für einen ökologischen Landbau. Eine chemiefreie- und ökosystemschonende Lebensmittelproduktion muss zur Norm werden.

Was kann ich persönlich gegen das Bienensterben tun?

  • Ich konsumiere biologische Lebensmittel
  • In meinem Garten verwende ich keine chemischen Pflanzenschutzmittel – es gibt genügend biologische Alternativen
  • In meinem Garten pflanze ich einheimische Blumen und Sträucher an (Nahrungsquelle für einheimische Insekten!)
  • Auf dem Fensterbrett säe ich eine Wildblumenmischung an (Nahrungsquelle für einheimische Insekten!)
  • Ich setze mich auf lokaler, kantonaler und nationaler Ebene für mehr Biodiversität und eine ökologischere Landwirtschaft ein

Was passiert mit den Unterschriften der Bienenpetition?

Die Petition richtet sich an Politik und Behörden. Greenpeace-AktivistInnen werden sie im Frühjahr 2013 den entsprechenden Stellen und dem Parlament überreichen.

In der Schweiz
werden jährlich rund
2000t chemische
Pflanzenschutzmittel
eingesetzt.

Ursachen

Immer monotonere Landschaften bedeuten schwindende Artenvielfalt und Verluste von intakten Ökosystemen und sind eine der Hauptgründe für das Bienensterben. Unterschiedliche Blütenpflanzen sind wichtig für einen vielseitigen Speisezettel der Biene. Die IUCN geht aber davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten weitere 20'000 Blütenpflanzen verschwinden werden. Im Gegensatz zur Honigbiene, die vom Menschen gepflegt wird, brauchen Wildbienen aber auch ungestörte Lebensräume um Nester bauen zu können. Diese werden immer seltener.

Auch Parasiten, Viren oder Bakterien machen Bienen krank. Die Varroamilbe ist mittlerweile weltweit eine ernsthafte Bedrohung für Bienenvölker. Sehr viele Imker sind damit konfrontiert. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass der regelmässige Kontakt mit Umweltgiften Bienenvölker schwächen und krankheitsanfälliger machen.

In der Landwirtschaft, aber auch in Privatgärten oder öffentlichen Grünflächen werden in der Schweiz jährlich rund 2000t Pestizide eingesetzt. Dies zur Unkrautbekämpfung oder zur Schädlingsabwehr.

Breitbandherbizide dezimieren die Artenvielfalt und rauben der Biene dadurch ihr Lebensgrundlage. Insektizide töten nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge. Im Gegensatz zu oberflächlichen Behandlungen verteilen sich systemische Pestizide in der ganzen Pflanze. Bereits das Saatgut wird damit behandelt oder später die Pflanzen damit besprüht. Bienen sind diesen Giften während der ganzen Vegetationsperiode ausgesetzt. Die zu dieser Gruppe gehörenden Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam oder Fipronil sind besonders bienenschädlich. Sie können ihren Orientierungssinn beeinträchtigen und zu höherer Mortalität in Bienenvölkern führen.

Auch Luftverschmutzung kann Bienen beeinträchtigten, da Blüten ihren Duft nicht mehr ganz so weit verströmen und Bienen dadurch weniger schnell ihre Nahrungsquelle finden.

Das Bienensterben

Vor allem Imker aus Europa und Nordamerika vermelden seit den späten 1990er Jahren ungewöhnliche hohe Verluste von Bienenvölkern. Vor allem Mittel- und Südeuropäische Länder sind davon betroffen – auch die Schweiz.

Wie stark die Anzahl Wildbienen oder andere Bestäuberinsekten betroffen sind, weiss man nicht genau.

«More than honey» -
ein Film von Markus Imhoof

Der Oscar-nominierte Markus Imhoof (DAS BOOT IST VOLL) präsentiert seinen neuen Film über das Leben der Bienen: Spektakuläre Aufnahmen und brisante Erkenntnisse erschliessen dem Kinopublikum eine Welt jenseits von Blüte und Honig.

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Interview mit Markus Imhoof

Interview mit Markus Imhoof

Der Oscar-nominierte Schweizer Regisseur Markus Imhoof (Das Boot ist voll) präsentiert seinen neuen Film über das Leben der Bienen: Spektakuläre Aufnahmen und brisante Erkenntnisse öffnen dem Zuschauer eine Welt jenseits von Blüte und Honig. Imhoof reiste für seinen Film um die Welt. Er besucht Imker in den Schweizer Bergen, interviewt Wissenschaftler, erzählt von der phänomenalen Intelligenz der Bienen und ihrem sozialen Zusammenleben. Greenpeace hat Imhoof in Zürich getroffen und über „More than Honey“ gesprochen.

Markus Imhoof, sie haben mit „More than Honey“ einen sehr persönlichen und bildgewaltigen Dokumentarfilm über die Bienen und ihr Massensterben gedreht. Was hat Sie dazu bewogen?

Es ist ja nicht nur ein Film über Bienen. Es geht mir um die grossen Zusammenhänge in unserer Welt. Dabei konzentriere ich mich auf Bienen, mit ihnen bin ich auch aufgewachsen. Mein Grossvater war Imker, meine Tochter und mein Schwiegersohn erforschen Bienen, was im Film ja sogar vorkommt. Das Bienensterben illustriert exemplarisch, dass die Welt wie ein grosses Mobile ist. Hängt man irgendwo zuviel Gewicht dran, oder handelt man irgendwo zu einseitig, wie in der Massentierhaltung, kippt das Ganze in Schräglage. Die Menschen haben nicht nur bei den Bienen zu viel aus dem natürlichen Rhythmus gebracht.

Sie zitieren in Ihrem Film Einstein: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen aus“. Im Gegensatz zu vielen anderen kritischen Dokfilmen entlässt einen „More than Honey“ aber nicht mit einem Gefühl der Hilflosigkeit.

Das hängt vielleicht damit zusammen, dass ich nicht mit dem Zeigefinger auf etwas zeige und sage: „Dies und jenes ist Schuld, dies und jenes muss unbedingt getan werden, auch wenn es unmöglich scheint“. Etwas optimistisch stimmendes im Film ist sicher die Geschichte der sogenannten Killerbienen, eine vom Menschen gezüchtete Rasse, die aus dem Labor abgehauen ist, und die sich nun über den Menschen hinwegsetzt und sich rasant verbreitet. Es ist sehr gut möglich, dass diese aggressiven, starken Bienen den Menschen überleben werden. Die Natur findet also ihren Weg. Die Frage bleibt aber, wie der Mensch sein Überleben sichern kann: Wie ernähren wir die Weltbevölkerung, ohne dass wir dabei die Welt zerstören? Was ist die Rolle des Menschen auf diesem Planeten? Es gibt Leute, die sehen uns als Parasiten. Selbst wenn das so wäre: Nur der dümmste Parasit bringt seinen Wirt um.

Für die Dreharbeiten haben sie mehrere Bienenvölker über eine längere Zeit beobachtet, sie haben mit diversen Forschern und Imkern gesprochen und kennen die soziale Organisation in einem Bienenvolk. Glauben Sie, dass Bienen dem Menschen diesbezüglich überlegen sind?

Die Auseinandersetzung mit dieser Frage ist durchaus spannend. Wir haben ja wahnsinnig viel Wissen darüber, was man eigentlich richtigerweise tun müsste. Das UNO-Welternährungsprogramm zum Beispiel sagt ganz klar, dass nur kleinräumige, lokale Landwirtschaft die Menschheit ernähren kann. Weil nur diese nachhaltig, also längerfristig überlebenssichernd ist. Wir tun aber das Gegenteil, schon lange, und die Entwicklung geht global weiter in diese falsche Richtung. Ich glaube, das liegt an der Individualisierung. Das Gefühl, Teil eines grossen Ganzen zu sein ist vielen Leuten heutzutage erstaunlich fremd.

Bienen organisieren sich ganz anders als der moderne Mensch. Die einzelne Biene ordnet sich gänzlich dem Kollektiv unter. «More than Honey» zeigt dies in eindrücklichen Aufnahmen. Sollte der Mensch von den Bienen lernen?

So einfach ist das sicher nicht. Bienenvölker handeln ja teils auch sehr brutal und unsozial. Die männlichen Drohen beispielsweise bringen sie vor dem Winter um, damit sie genügend Nahrung für Arbeiterinnen und Königin haben. Gleichzeitig ist es sehr faszinierend, wie der Schwarm als Ganzes so etwas wie ein kollektives Bewusstsein oder gar Gefühle zu haben scheint und sich sehr gezielt und primär dem Überleben des eigenen Volkes widmet. Noch interessanter finde ich einen Aspekt, den man in der Natur oft beobachten kann: Vieles ist auf Symbiose ausgerichtet. Blumen müssten ja nicht Unmengen Pollen produzieren, der einzelne Kirschbaum könnte sich theoretisch auch einfach selbst bestäuben. Das tut er aber nicht, stattdessen erwartet er den Pollen von einem andern Baum. Es scheint einen Konsens zu geben, dass jeder auch für andere produziert. Dieses Netz ist äusserst sozial, es sichert das Überleben der anderen und man hat erst noch einen Vorteil dabei: Die Austausch von Pollen verhindert Inzest und Verkrüppelung.

Nun sind trotzdem viele Bienenrassen am Aussterben, jedes Jahr sterben mehr Bienen. Wieso das?

Es ist wohl das Zusammenkommen zahlreicher Faktoren. Bienen werden heute industriell gehalten. Es gibt kein Bienenvolk mehr, das ohne Medikamente überleben kann. Die Biene ist vom Menschen globalisiert, sie ist ein international gehandeltes Instrument zur Befruchtung von Pflanzen. Diese ganze Entwicklung – Zucht, Austausch über Kontinente hinaus, Einsatz von Chemikalien – ist für die Evolution zu schnell. Die Bienen sind gestresst, sie kommen nicht mehr dazu, sich anzupassen.

Sie sagen im Film einmal: «Auch Vegetarier können sich heutzutage nicht mehr ohne Massentierhaltung Ernähren». Sie illustrieren dies am Beispiel der gigantischen kalifornischen Mandelplantagen. Wenn sogar vegetarische Ernährung indirekt zum Bienensterben beiträgt, ist die Ausgangslage gänzlich hoffnungslos?

Vegetarisches Essen ist ja aus verschiedenen Gesichtspunkten trotzdem durchaus sinnvoll. Beispielsweise haben Vegetarier einen viel kleineren ökologischen Fussabdruck als häufige Fleischesser. Erdbeeren im Winter zu essen ergibt dann aber wiederum überhaupt keinen Sinn. Das wurde mir noch viel bewusster, als wir in Gewächshäusern gefilmt haben. Auch da werden Bienen in Massentierhaltung eingesetzt. Leider mussten wir uns schliesslich dazu überwinden, die Szenen rauszuschneiden. Aber man kann sich ja in etwa vorstellen, wie das vor sich geht. Die Bienen sind nach einem Monat von der Monokultur mangelernährt und man muss sie wieder aufpäppeln.

Was sollte der Mensch ändern, um das die Umwelt, oder das Mobile, nicht in Schräglage zu bringen?

Nur schon die Einsicht, dass alles zusammenhängt und man Teil des Ganzen ist, ist sicher wichtig. Man kann die Gleichgewicht-Metapher in sehr vielen Gebieten anwenden. So muss man sich auch fragen, was lief falsch bei der Bankenkrise? Wo ist das System gekippt, das Experiment aus dem Ruder gelaufen? Wie macht man das besser? Im ganz Kleinen würde ich mir zum Beispiel besser überlegen, welchen Honig ich kaufe.

Welchen Honig kaufen sie denn?

Schweizer Honig, weil die Umweltvorschriften hier hoch sind. Am liebsten bei einem Imker, den ich persönlich kenne. Südamerikanischen Killerbienenhonig würde ich schon auch kaufen, weil ich weiss, er enthält keine Antibiotika. Oder Stadthonig. Vielen Bienen geht es mittlerweile in den Städten besser. Es hat zwar weniger Pflanzen, aber die Artenvielfalt ist in der Stadt grösser als auf dem von Monokulturen und mit Pestiziden behandelten ländlichen Gebieten. Deshalb sollte man übrigens auch in der Stadt kein Pflanzengift verwenden. Ich gehe sogar soweit, dass ich das aggressive Anti-Flohmittel bei meinem Hund abgesetzt habe, weil es dasselbe Nervengift ist, das die Bienen tötet.

Lösungsansätze

Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt im Kulturland und der Schutz von intakten Ökosystemen bieten Bienen eine Umwelt die sie zum Leben brauchen. Hecken, Buntbrachen und möglichst vernetzte Lebensräume tragen dazu bei.

Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel muss zur Norm werden. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft werden im biologischen Landbau keine chemischen Pflanzenschutzmittel verwendet. Unkrautbekämpfung erfolgt mechanisch, Förderung der Artenvielfalt gehört dazu. Abwechselnde Kulturen sind in einer bienenfreundlichen Landwirtschaft ein weiteres Instrument, um den Schädlingsdruck auf Äckern zu minimieren.

Naturgärten und Parks mit einheimischen Pflanzen sind weitere Gewinne. Auch hier soll auf chemische Pestizide verzichtet werden und eine hohe Artenvielfalt gefördert werden.

Die Bienen
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Deine Hilfe.

Greenpeace fordert

  • Einsatz- und Vermarktungsstopp von bienengefährlichen Pestiziden (insbesondere die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiamethoxam, Clothianidin, Fipronil, Chlorpyrifos, Cypermethrin und Deltamethrin sind sofort vom Markt zu nehmen)
  • Eine klar definierte nationale Strategie zur Reduktion des Einsatzes von Pestiziden in der Schweiz
  • Eine konsequente Förderung des biologischen Landbaus und einer optimierten integrierten Produktion

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1
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2
keine chemischen Spritzmittel

Im eigenen Garten auf chemische
Spritzmittel verzichten und einheimische
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